Wer müde ist, bekommt heute schnell die Diagnose Eisenmangel und wird an die Infusion gehängt. Doch nicht alle, die tiefe Eisenwerte haben, brauchen eine Behandlung. Oft genügt es, eisenhaltige Nahrung zu bevorzugen.

Wozu braucht der Körper Eisen?

Eisen ist wichtig für alle Stoffwechselvorgänge, es wird gebraucht für den Sauerstofftransport und die Blutbildung. Einer Studie des Universitätsspitals Zürich zu­folge spielt Eisen auch beim Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen eine wichtige Rolle.

 

Welcher Eisenwert im Blut ist normal?

Einen Anhaltspunkt liefert das Ferritin. Dieses Eiweiss im Blut zeigt an, wie hoch die Eisenreserven im Körper sind. Es gibt zwar keine allgemein anerkannten Grenzwerte, aber: Liegt der Ferritinspiegel unter 15 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) Blut, sind die Eisenreserven erschöpft. Eine Behandlung ist allerdings nur sinnvoll, wenn man Beschwerden hat. Für eine zuverläs­sige Diagnose sollte auch der Wert des Eiweisses CRP bestimmt werden. So lassen sich akute Entzündungen und Infektionen ausschliessen; diese erhöhen das Ferritin.

Was deutet auf Eisenmangel hin?

Fachleute unterscheiden zwei Stadien, ­abhängig vom Schweregrad: den latenten Eisenmangel ohne Blutarmut (Anämie) und den Eisenmangel mit Blutarmut, ­Eisenmangelanämie genannt. Je nachdem, wie schwer der Mangel ist und wie lange er schon anhält, sind folgende Symptome ­typisch: Muskelschwäche, wenig Ausdauer, mangelnde Konzentration, schlechtes ­Gedächtnis, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen. Darüber hinaus brüchige Nägel, Haarausfall, trockene Haut, ein­gerissene Mundwinkel, Appetit auf Lehm und Erde.

Wie viele Menschen leiden unter ?Eisenmangel?

Studien aus Europa und den USA besagen: 15 bis 20 Prozent aller Frauen im Mens­truationsalter haben Eisenmangel ohne Anämie. Unter einer Eisenmangelanämie leiden zirka drei Prozent. Eine Studie unter Schweizer Rekruten zeigte: Sieben Prozent hatten Eisenmangel ohne Blutarmut.

Blässe und Müdigkeit: ?Sind das eindeutige Anzeichen?

Blässe gilt entgegen der landläufigen Meinung als unsicheres Zeichen. Und zwischen Müdigkeit und Blutarmut gibt es keinen klaren Zusammenhang. Müde Frauen im Menstruationsalter, die Eisenmangel ohne Blutarmut haben, können trotzdem von einer Therapie profitieren, sofern der Ferritinwert deutlich tiefer ist als 15 ng/ml. Aber Vorsicht: Wer ständig müde ist, kann auch an einer anderen Krankheit leiden, etwa an einer Depression oder Nierenschwäche, an einer Fehlfunktion der Schilddrüsen oder chronischer Hepatitis.

Warum hat man zu wenig Eisen?

Wiederholter Blutverlust wie bei der Menstruation ist eine der häufigsten Ursachen. Auch regelmässige Blutspende oder Krebsgeschwülste können zu Eisenmangel führen. Ein erhöhter Bedarf besteht während der Schwangerschaft, der Stillzeit und in der Kindheit. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können die Ursache dafür sein, dass der Körper zu wenig Eisen aufnimmt. Und: Vegetarier laufen Gefahr, zu wenig Eisen über die Nahrung aufzunehmen. Dass sie deswegen Beschwerden oder Mangelerscheinungen haben, ist aber nicht gesagt, denn viele leben mit sehr niedrigen Eisenwerten sehr gut.

Wann muss man Eisenmangel ?behandeln lassen?

Immer dann, wenn Patienten unter Blutarmut leiden, also die Konzen­tration an Blutfarbstoff (Hämoglobin) zu gering ist. Laut Weltgesundheitsorganisation beträgt der Normwert bei Frauen mindestens 12 Gramm, bei Männern ­mindestens 13 Gramm pro Deziliter Blut. Hat jemand Eisenmangel, aber keine ­Blut­armut, ist eine Behandlung nur bei Symptomen sinnvoll.

Was ist besser: Eisentabletten ?oder Eiseninfusionen?

Immer zuerst Eisentabletten. Es ist für den Körper verträglicher, wenn man die Eisenzufuhr über einen längeren Zeitraum auf mehrere kleine Portionen verteilt. Erst bei Unverträglichkeit oder mangelndem Ferritinanstieg sollte eine – moderat dosierte – Eiseninfusion gemacht werden. Wer Magen-Darm-Probleme von den Tabletten bekommt, kann sie statt vor den Mahlzeiten mit ­ihnen einnehmen. Der Körper nimmt das Eisen dann allerdings schlechter auf.

Ärzte verschreiben heute schnell ?Infusionen – warum?

Infusionen sind ein sehr gutes Geschäft. Nach Beobachtung kritischer Ärzte wurden die ­Ferritinwerte in den letzten Jahren ständig nach oben korrigiert. Deshalb erhalten immer mehr Patienten die Diagnose Eisenmangel. Ein lohnenswerter Absatzmarkt, denn Infusionen kosten rund fünfmal mehr als herkömmliche Eisenpräparate. Doch Infusionen sind nur das Mittel zweiter Wahl. Der Grund: Eisen kann in hoher Dosierung toxisch sein, sogar einen allergischen Schock auslösen. Bei einer Infusion füllt man nicht selten in ein bis zwei ­Sitzungen das gesamte Defizit auf. Eine ­Tablettentherapie jedoch zieht sich über Monate hin. ?Das setzt allerdings ?voraus, dass Patienten ?die Therapie diszipliniert ?durchhalten.

Woher weiss ich, dass meine ?Eisenspeicher wieder voll sind?

Das Blut sollte erneut untersucht werden. Bei einer Behandlung mit Tabletten frühestens vier Wochen nach der letzten Einnahme, bei Infusionen frühestens nach acht bis zwölf Wochen. Vorzeitige Kontrollen sind nur angezeigt, wenn die Symptome nicht innert weniger Wochen besser werden oder verschwinden.

Warum sollte man sich Eisenpräparate nicht selbst verabreichen?

Zu viel Eisen kann schädlich sein. Daher sollte eine Therapie immer unter ärztlicher Kontrolle stattfinden. Ausserdem sind die Symptome von Eisenmangel unspezifisch. Darum braucht es eine laborchemische ­Diagnose. Eisenpräparate gibt es deshalb – im Gegensatz zu niedrig ­dosierten Nahrungsergänzungsmitteln – nur auf Rezept.

Lässt sich Eisenmangel vorbeugen?

Ja, durch eisenreiche Ernährung. Frauen brauchen zirka 15, Männer zirka 10 Milligramm Eisen pro Tag. Diese Mengen lassen sich über die Nahrung aufnehmen. Gute Eisenlieferanten sind: rotes Muskelfleisch oder Leber; Hülsenfrüchte wie Linsen oder Sojabohnen; Nüsse und Samen wie Pistazien oder Sonnenblumenkerne; Gemüse und Kräuter wie Brunnenkresse, Petersilie, Zwiebeln. Ascorbinsäure (Vitamin C), gegärte Lebensmittel wie Sauerkraut und organische Säuren (Zitrus­früchte, Fruchtsäfte) verbessern die Eisen­aufnahme. Zudem: Gusseisernes Koch­geschirr erhöht den Eisengehalt der Speisen. Doch wer bereits Symptome ­wegen Eisenmangels hat, bringt sie nicht durch eine eisenreiche Nahrung weg. Dann braucht es zusätzlich Präparate.

Eisengehalt verschiedener Nahrungsmittel

Milligramm Eisen pro 100 Gramm

   
Blutwurst 29,4
Weizenkleie 16,0
Getrocknete Aprikosen 5,2
Knäckebrot, Vollkorn mit Sesam 4,3
Mandeln 4,2
Teigwaren mit Ei 3,0
Spinat 2,7
Rindfleisch 2,1
Lammfleisch 1,8
Schweinefleisch, Reis (parboiled) 1,4
Grüne Bohnen, Kopfsalat 1,1
Huhn, Parmesan 0,7
Frische Aprikosen 0,4
Schnittkäse 0,3
Milch, Joghurt, Rahm 0,1

 

Quelle: www.iron.medline.ch